oder auch: The Adventures of Tintin: The Secret of the Unicorn
In freudiger Erwartung auf die Zusammenarbeit so vieler toller Menschen wie Steven Spielberg, Peter Jackson, Steven Moffat (Doctor Who) und Edgar Wright (Scott Pilgrim) las ich vor dem Film erst alle Tim und Struppi-Bücher bis Red Rackham’s Treasure, um auch gut vorbereitet zu sein auf die vermeintliche Verfilmung des “The Secret of the Unicorn/Red Rackham’s Treasure”-Doppelbandes. Umso enttäuschter ließ mich der Film letztendlich zurück, war er doch meilenweit von der Vorlage entfernt. Schuld daran war vermutlich mein UK-Aufenthalt zuvor, wo überall Plakate für den Film hingen. Dort heißt er sogar The Secret of the Unicorn, was in mir den Glauben an eine reine Verfilmung erweckte, die Die Abenteuer von Tim und Struppi dann leider doch nicht war.
Doch von vorne: unser allseits beliebter Jung-Journalist Tintin (ich hab den Film auf Englisch gesehen, deshalb bleibe ich mal bei dem Namen) findet auf einem Trödelmarkt ein Modellschiff, das er unbedingt kaufen muss. Im Buch muss dieses Verlangen nicht erklärt werde, Tintin kauft das Schiff schlichtweg für seinen guten Freund Kapitän Haddock. Den kennt er im Film gar nicht, weshalb hier einfach reines Interesse als Kaufgrund herhalten muss. Direkt im Anschluss wird klar, dass dieses Schiff – nämlich die titelgebende Unicorn (oder Einhorn) – mehr als ein simpler Nachbau eines alten Dreimasters sein muss. Merkwürdige Gestalten bekunden Interesse an dem Schiff und Tintin stellt Nachforschungen an, die ihn direkt in ein turbulentes Abenteuer stürzen. Wie sich herausstellt, ist das Schiff ein Nachbau der echten Unicorn, das Schiff von Sir Francis Haddock, das im Kampf gegen den Piraten Red Rackham unterging. Natürlich ist ein Piratenschatz involviert und die insgesamt drei Nachbauten weisen den Weg dorthin, was das Interesse der zwielichtigen Gestalten erklärt, allen voran Sakharine und dessen Gehilfe Allan. Letzterer hat eine Meuterei auf dem Schiff von Kapitän Haddock angezettelt, auf das er den jungen Tintin entführt hat. Auf dem Schiff lernen sich die beiden Gefangenen kenne und können gemeinsam fliehen, woraufhin sie sich zum Ziel setzen, den Schatz vor den Gangstern zu bergen.
Gewisse Änderungen an der Geschichte sind natürlich nötig, wenn man eine Reihe von Büchern verfilmt und mit Nummer 9 anfängt, dennoch hat man sich hier – zumindest für einen eingefleischten Tim und Struppi-Fan wie ich es bin – zu viele Freiheiten erlaubt. Es wurden drei Büchern wild zusammen gewürfelt, dann aber wieder ganz viele Teile übersprungen (von Band 11 “Red Rackham’s Treasure” ist eigentlich nur noch das Ende erhalten) und ein riesiger Teil wurde komplett neu erfunden. Erst letztens sah ich die Comicverfilmung von Das Geheimnis der Einhorn und ich hatte insgeheim eine ähnliche Werktreue erwartet. Stattdessen fehlen wichtige Charaktere wie Professor Bienlein komplett und andere wurden grundlegend verändert. Es ist zwar schade zu sehen, dass die Vorlagen so sehr missachtet wurden, der Grund leuchtet allerdings ein. Das beiden Bücher um die Einhorn und Red Rackhams Schatz sind die kommerziell erfolgreichsten (ist mir schleierhaft, warum das so ist) und bieten somit einen perfekten Einstieg, auf Grund der Kosten werden die Bücher davor vermutlich niemals als performance capture 3D-Film das Licht der Leinwand erblicken. Mir persönlich hätte eine kurze Einleitung – gerne auch im Comic-Stil – besser gefallen, in der die bisherige Geschichte erzählt wird, aber die Autoren haben sich zum Umschreiben der Story entschieden, wofür sie sicher ihre Gründe hatten. Meine Hoffnung ist, dass in Zukunft die Trilogie um die Mondreise verfilmt wird, bestenfalls natürlich relativ originalgetreu, wenn aus den 2 Dutzend Comics noch ein weiterer Film entstehen sollte, dann doch bitte dieser. Wenn es bei diesem einen Film bleiben sollte, fände ich das doch sehr enttäuschend, viele wichtige Figuren, wie eben Professor Bienlein, wurden noch gar nicht eingeführt, die Beziehung zwischen Tim und dem Käpt’n auch nur angeschnitten, alles sehr oberflächlich. Und dann wären da noch die Logikfehler, die erst durch das Abändern der Geschichte entstanden sind. Wieso sind zum Beispiel die Nachfahren des Piraten so sehr auf Rache aus, wenn von dem Piratenschiff keine einzige Person überlebt hat, um von den Ereignissen zu berichten?
Dennoch: der Film macht Spaß, was nicht zuletzt an der Optik, am Humor und an den ausgezeichneten Synchronsprechern liegt (Daniel Craig, Andy Serkis, Simon Pegg, Jamie Bell). Und ausnahmsweise lohnt sich sogar der Aufpreis für’s 3D.
Drüben bei Zockwork Orange gibt’s übrigens mein Review zum dazugehörigen Videogame.
Bewertung: 




