Die Zeit: eine nicht allzu ferne Zukunft.
Der Ort: der nordamerikanische Kontinent.
Das Setting: die USA gibt es nicht mehr, an ihrer Stelle befindet sich Panem, ein Land, bestehend aus 13 Distrikten, die mit starker Hand aus dem Capitol vom tyrannischen President Snow regiert werden. Districts 13 lehnte sich einst gegen das Capitol auf, die restlichen Distrikte leiden bis heute darunter. Sie leben in Armut, während sie Kohle, Waffen, Essen und Kleidung für das Capitol liefern, selbst aber gerade so überleben können. Exekutionen oder öffentliche Auspeitschungen durch die Peacemaker des Capitol sind an der Tagesordnung, die Bürger Panems fühlen sich rund um die Uhr beobachtet, jede Aktion, jeder unbedachte Satz gegen das totalitäre Regime hat schlimme Folgen für die Person selbst, aber auch für Freunde und Familie. Doch damit nicht genug: um an den vergangenen Aufstand und dessen Opfer zu erinnern, werden jedes Jahr die Hunger Games ausgetragen. Angeblich mit den besten Absichten, nämlich weitere Kriege zu verhindern. In diesen Hunger Games muss jeder District zwei Kinder – einen Jungen und ein Mädchen – stellen, die Kinder kämpfen dann im Capitol gegeneinander bis zum Tod. Nur einer kann aus den Spielen als Sieger hervorgehen.
Katniss Everdeen ist eine dieser Tribute. Sie meldet sich freiwillig, um ihrer kleinen Schwester Prim den sicheren Tod in der Arena zu ersparen. Zusammen mit Peeta, dem männlichen Tribut, vertritt sie District 12 in den 74. Hunger Games. Aus District 12 hat seit fast 30 Jahren niemand mehr die Hunger Games gewonnen und der letzte Sieger, Haymitch (Woody Harrelson), der eigentlich als Mentor dienen sollte, ist dauerbetrunken. Die Chancen könnten also kaum schlechter stehen. Katniss’ einziger Trumpf ist, dass sie seit dem Tod ihres Vaters für die Familie sorgt und täglich jagen geht; mit dem Bogen ist sie so tödlich, wie man nur sein kann. Doch kann sie Menschenleben nehmen, nur weil das Capitol sie dazu zwingt? Was bringt ein Sieg, wenn man sich dadurch selbst so kaputt macht, dass man sein Leben wie Haymitch nur noch unter Alkoholeinfluss ertragen kann? Und ist Peeta wirklich der Gegner? Wo sich die beiden auf der Zugfahrt zum Capitol doch gerade besser kennen lernen und näher kommen? Zeit für Antworten hat Katniss kaum, ehe sie sich versieht, befindet sie sich in der Arena wieder, zusammen mit 23 anderen Tributen, die nur zwei Gedanken kennen: töten und überleben!
The Hunger Games/Die Tribute von Panem ist die Verfilmung des gleichnamigen ersten Teils der Bestseller-Trilogie von Suzanne Collins. Fans der Bücher werden sich über eine recht gute Umsetzung ihres Lieblingsstoffes freuen, auch wenn von dem recht kurzen Buch (knapp 400 Seiten) doch sehr viel gekürzt werden musste. Der Film legt den Fokus komplett auf die Kämpfe in der Arena, das erste Drittel des Buchs wird nur kurz angeschnitten. Um die Ich-Perspektive mit ihren kurzen, gedankenartigen Sätzen einzufangen, wurde im Film in den meisten Teilen eine wackelige Handkamera gewählt, die auch dazu dient, die Kämpfe zwischen den Tributen und alle blutigen Stellen möglichst harmlos erscheinen zu lassen. Da bringen sich Kinder gegenseitig um, man sieht aber nichts. Was auch jegliche Choreographie überflüssig macht, die blutige Story wird im Film komplett entschärft. Anders wäre eine Freigabe ab 12 auch nicht möglich gewesen. Ansonsten wurde die Vorlage aber gut umgesetzt und sinnvoll ergänzt, wo das Buch Lücken vorwies, zum Beispiel wurden die Gegenspieler, also President Snow und der “Gamemaker” Seneca Crane genauer beleuchtet. Im Buch fehlte das, da wir ja alles aus Katniss’ Perspektive erfahren. Stattdessen sieht man, was hinter den Kulissen passiert, sieht die futuristische Schaltzentrale der Spiele und legt durch Snows Bedenken schon den Grundstein für die Fortsetzungen.
Fans der Bücher werden ihre Freude am Hunger Games-Film haben. Wer die Geschichte nicht kennt, sollte sich vorher darüber klar sein, was ihn erwartet. Die dystopischen Elemente sind eher nebensächlich, Die Tribute von Panem ist eine Jugendgeschichte, inklusive der obligatorischen Lovestory. Die ist zwar nicht zentral und wird eher dezent angedeutet, einen reinrassigen Sci-Fi-Thriller mit mordenden Kindern darf man aber auch nicht erwarten.

Pingback: Filmreview: The Hunger Games | Captain Obvious