Als Drive im Kino lief, sprangen plötzlich alle auf den Ryan Gosling-Hypetrain auf. Überall las man nur noch von Ryan Gosling und gefühlt spielte er in jedem zweiten Film 2011 mit. Ich hatte bis letzte Woche tatsächlich noch nie einen Film mit Ryan Gosling gesehen und war dementsprechend gespannt, als ich Drive endlich in den Player schob. Alle die ich fragte waren sich einig: der Film ist toll, vielleicht der Film des Jahres.
Wikipedia nennt Drive einen neo noir crime thriller, Hauptdarsteller Gosling spielt einen namenlosen Stuntdriver, der sich Geld als Fluchtwagen-Fahrer dazuverdient, wenn er nicht gerade als Mechaniker arbeitet oder seiner Nachbarin Irene hilft, die alleinerziehend ist, da sich ihr Mann im Gefängnis befindet. Nur im Beisein Irenes und ihres Sohns Benicio taut der sonst stille und fast emotionslose Stuntfahrer auf, lässt sich sogar manchmal zu einem halben Lächeln hinreißen. Das alles ändert sich, als Irenes Mann Standard aus dem Gefängnis entlassen wird. Doch auch außerhalb des Gefängnisses wird dieser von seiner Vergangenheit verfolgt und der stille Stuntfahrer bietet dem unglücklichen Familienvater seine Hilfe an, auch um Irene und Benicio vor Schaden zu bewahren. Bei der Beschaffung des Geldes, das Standard einem Gangster zahlen soll, für den Schutz, den er im Gefängnis erfahren hat, geht allerdings schief, was schiefgehen kann und “The Driver” setzt alles daran, den Fehler auszubügeln und Irene und ihren Sohn zu beschützen.
Regisseur Winding Refn sieht Drive als modernes Märchen, den namenlosen Protagonisten in seiner weißen Jacke mit Skorpionaufdruck als weißen Ritter, der umherzieht und Menschen in Not hilft. Drive ist aber auch ein Heistmovie und eine Liebesgeschichte. In erster Linie will Drive aber durch die Optik und den Soundtrack überzeugen. Oft werden die Charaktere in Zeitlupe gezeigt, selbst wenn sie nur einen Flur entlang laufen, Goslings seltene Emotionen dabei durch die Verlangsamung in den Fokus gerückt. Stilistisch ist Drive ein Meisterwerk, die Kamerafahrten sind brillant, Dialoge und Mimik des Protagonisten spärlich aber gezielt eingesetzt, alles vor der wunderschön eingefangenen Kulisse LAs.
Die Story lässt leider zu wünschen übrig, zum Glück rückt sie so weit in den Hintergrund, dass das nicht weiter störend auffällt. Man darf Drive nicht als Actionfilm schauen und man darf ebenso wenig mit der Erwartung an einen Heistmovie mit ausgeklügeltem Plot herangehen. Da kann Drive nicht mithalten, das versucht der Film aber auch nie. Vielmehr will Drive mit Atmosphäre und Charakteren überzeugen und das schafft er. Der große Hype im Vorfeld hat dafür gesorgt, dass ich nach dem Film ein wenig enttäuscht war, als den Oberknüller und Film des Jahrzehnts, als der er gepriesen wurde, habe ich Drive nicht empfunden. Dennoch ist Drive ein toller Film der erfrischend anders als der Hollywood-Einheitsbrei daherkommt und den man definitiv gesehen haben sollte. Ich gehe mir jetzt erst mal ein paar Filme mit Ryan Gosling aus der Videothek ausleihen.
Drive erscheint am 29.6. auf DVD und Blu-ray, sowie als Video on Demand.